Dieses Jahr biete ich wieder ein paar Zeichnungen von mir im handlichen Postkartenformat für Liebhaber in limitierter Auflage an. Nichts Großes, einfach nur was zum Selber-Freuen, vielleicht mal wieder einen Kartengruß verschicken, oder zum Verschenken! Bestellen kannst du sie hier.

Mit jedem Bild verbinden sich aber Erinnerungen, Geschichten, Gedanken und Begegnungen. Ein paar davon schreibe ich hier auf.

Brühl 53 – 21. Februar 2020

Februare sind kalt und nass. Harte Zeiten, um in der Stadt zu zeichnen. Auf der Suche nach einem warmen Ort mit Ausblick stieß ich auf ein Café in Leipzig Stadtzentrum. Auf dem „Brühl“. Gegenüber gab’s dieses schöne Eingangstor. Perfekt. Kaffee bestellt, los gelegt. Dann kam die junge Frau noch rechtzeitig, um mit ins Bild zu kommen. Ob die beiden breitschultigen Kerle da oben zugehört haben, was sie am Handy spricht? So sah es jedenfalls aus. 

Dann frag ich mich immer, was ist das hier eigentlich, was ich mir gerade so intensive anschaue und fange an zu forschen. Draw & Explore.

Der Brühl war vor dem Krieg das Zentrum des Leipziger Pelzhandels. Ein Pelzgeschäft an dem anderen. Leipzig war damals eines der ganz großen Pelzumschlagplätze in der Welt. Das weiß heute kaum noch einer. Auch nicht, dass hier viele jüdische Geschäftsleute tätig waren. Bis zum Krieg …

Die Hausnummer „Brühl 52“ gehört zum „GLOECK’schen GEBÄUDE“. Es wurde 1909 für den Pelzhändler Richard Gloeck (1864-1946) gebaut, der auch als „Chinchillakönig“ bekannt war. Darum auch die kleinen Pelztiere im Ornament über der Tür! Das ganze Haus ist wunderschön. Irgendwann muss ich es mal ganz zeichnen. 

„Ein gewisses Persönlichkeitsgefühl lässt sich aus dem Bau erkennen, und wer je die Bekanntschaft des Bauherren gemacht hat, der kann sich sein Haus gar nicht anders denken, wie es heute dasteht.“ 

Schrieb der jüdische Journalist Philipp Manes  in seinem Buch über die dt. Pelzindustie 1941.  1939 wurde es das Geschäft aufgelöst. Leider weiß ich nicht mehr über R. Glöckner. Bis jetzt… 

IN DIE FERNE… – 16. Mai 2020

Samstagsausflug mit meiner Frau an den Störmtaler See im Süden Leipzigs. Der See war einer der ehemaligen Tagebaulöcher, die jetzt das Leipziger Neuseenland bilden. Eigentlich hatte ich die ganz Zeit ein Pärchen gezeichnet, das verträumt am Ufer saß. Meine Frau hat einfach auf mich gewartet. Ist sie nicht wunderbar?! Als ich mich umdreht, sah ich sie da so mit ihrem großen Strohhut in die Ferne schauen und musste sie mit ein paar Strichen da im Wasser stehend einfange. 

Und um ehrlich zu sein, weckt diese kleine Skizze von vielleicht 5-7 min viel mehr Emotionen in mir, wenn ich an diesen friedlichen Nachmittag denke, als das Bild vom Pärchen an der ich sicher 30 Minuten lang gezeichnet habe. Die schnellen Sachen fangen eben manchmal das Besonderes ein. Darum liebe ich Reportage-Zeichnungen, zu denen ich aber dieses Jahr wegen Corona kaum gekommen bin.

Weinlaube I & II bei Naumburg  – 31. Mai, 2020 

Über Pfingsten war ich mit einer Frau – und ganz ohne Kinder!!! – in einem traumhaften Weinberghaus bei Naumburg. 

Nur wenige Meter weiter hatte Max Klinger sein Weinberghaus und ein Radierhäuschen. (Max Klinger war nach Adolf Menzel er wohl der wichtigste „klassische“ Deutsche Zeichner, Grafiker und Maler des 19. Jh und Vorbild für Käthe Kollwitz und viele andere.) Man nannte ihn den „Michelangelo der Deutschen“. Heute kennt ihn kaum noch jemand, aber in diesem Jahr wurde seinem 100. Todestag mit großen Ausstellungen in Leipzig und Bonn gedacht. Sein Grab ist auch hier an seinem alten Weinberghaus. Und er wusste wo es schön ist!

Also ein guter Ort zum Malen. Und wenn es so etwas wie „Seelenheimat“ gibt, so ein Ort, wo man sich sofort wohl und zuhause fühlt, als hätte man eine lange Vergangenheit hier, dann ist es für mich irgendwie diese Landschaft rund um Naumburg an der Saale. 

Diese herrliche, etwas verwitterte Weinlaube hatte es mir auch sofort angetan. Darum gleich zwei Bilder. Aber gezeichnet hatte ich noch viel mehr. Die beide entstanden am selben Tag kurz hintereinander im meinem großen A4 Hahnmühle Aquarell Skizzenbuch. 

Das Paradies ist nicht weit weg!

Vor dem Erblühen  – 14. Juni 2020

Ich liebe Pfingtsrosen!!! Ganz besonders mag ich die Kugelblüten kurz bevor sie aufgehen. Als ich fertig war habe ich den Hintergrund mit Tinte einfach schwarz gemalt. Das mache ich sonst nie. Aber hier passte es wunderbar und ich bin froh darüber. Es unterstreicht noch mal die grazil gebogenen Stängel und Blätter im Kontrast zu den große Kugelblüten. 

Nachdem ich das Bild auf Instagram gepostet hatte, machte Katrin Merle, eine befreundete Illustratorin aus Berlin, den Vorschlag, jeden kommenden Tag zu zeichnen, wie sie weiter aufblühen! Coole Idee! Also ran. 

Drei Bilder sind entstanden, aber leider sind sie nicht richtig aufgeblüht. Katrin meinte, die lachsfarbenen blühen besser auf und verkleben nicht so. Na, mal sehen. Nächstes Frühjahr?

Templerkapelle, Mücheln bei Wettin – 24. Juni 2020

Im Juni machte Corona eine Pause und ich konnte tatsächlich zu Einkehrtagen in das Kloster Petersberg fahren. Es war wunderbar. 

Auf dem Hinweg wollte ich noch unbedingt Wettin an der Saale ansehen. Das kleine Örtchen ist die Wiege der sächsischen Könige und ich hatte immer gehört, wie schön es dort sein soll. Ist es auch! Besonders die Burg liegt sehr malerisch. 

Aber auf dem Weg weiter in Richtung Kloster Petersberg entdeckte ich am Wegesrand ein Schild: „Templerkapelle“. Was??? Scharfe Bremsung! Hier? Wo? Hinter einer Toreinfahrt zwischen verschiedenen Wohn- und anderen Gebäuden stand dieses wunderbare Kleinod aus dem 13. Jh. 

Traumhaft!! Da scheinen viele Leute viel Kraft reinzustecken, um ein echtes Juwel zu erhalten.

Ich hatte nicht viel Zeit also habe ich mein kleines Skizzenbuch ausgepackt und ohne Vorzeichnung einfach losgelegt. Mit brauner Tinte und dann fast nur mit Tiefblau und Krappbraun aquarelliert. Ich experimentierte in diesem Jahr ein bisschen mit 5 Punktperspektive, die den Effekt von Weitwinkelobjektiven nachahmt. Ich finde, das belebt auch noch mal. 

„Alte Spinnerei“ reflektiert, Leipzig – 18. Juli 2020

Ein mal im Monat treffen wir uns mit den Urban Sketchers in Leipzig. Im Juli trafen wir uns in der „Alten Spinnerei“. Das ist Leipzigs Kunsthotspot #1! Neo Rauch und andere haben da ihre Ateliers und Galerien. Aber vor allem ist es ein wunderbarer Ort eine alte Textilfabrik, die vor hundert Jahren eine Stadt in sich selbst war. Mit Wohnungen, Fabrikation, Gärten und allem. 

Dieser „ImbissTruck“ steht dort für ein OpenAirKino. Zuerst begeisterte mich das Pink und die gelben Reifen. Aber beim Zeichnen dachte ich: Wie schön diese Spiegelungen der Backsteingebäude in den großen Glasscheiben sind. Und bei den Spiegelungen blieb ich dann auch. 

Gestrandet, Heringsdorf – 3. August 2020

Der Sommer 2020 war ja besonders. Corona und so. Aber wir machen ohnehin meistens in Deutschland Urlaub. Es gibt so schöne Ecken. Aber dieses Jahr haben wir uns mal wieder an die Ostsee getraut. In der Hoffnung, es würde nicht so überrannt sein. Und es ging auch. Auf Usedom gibt es dieses Boot, dass am Strand von Heringsdorf liegt und ich fand es so schön, wie der Vater mit Tochter und Sohn dort Schatten suchten. Irgendwann bemerkten sie mich und kamen vorbei. Sarah, Aaron und Papa Markus aus dem Erzgebirge. Sommer, Sonne und Meer… Was will man mehr?

Die AEG-Lok E04  – 7. August 2020 –

Diese Lok steht als Museumsstück im Leipziger Bahnhof. Ich erinner mich gern, wie ich mich mit Sketcherfreund Armin dort verabredet habe. Irgendwann kam jemand vorbei und sprach uns an. Die E04-Reihe wurde von den 1930-gern bis Ende der 80-her für den Schnellzugverkehr eingesetzt. Er war selber Lokführer und ist sie noch gefahren. Das sind die schönen Begebenheiten, die ich an diesem Zeichnen vor Ort so schätze. Leute halten an: „Darf ich ihnen mal über die Schulter schauen?“ und irgendwann erzählen sie aus ihrem Leben oder was immer. Ich mag das. Meistens. 

Die Alte Nationalgalerie, Berlin –  28.09.2020

Ende September traf ich mich in Berlin mit befreundeten Künstlern. Mein erster Stopp war – sehr klassisch – die Museumsinsel. Es war halb elf Uhr morgens. Ich erinnere mich noch, wie ungewöhnlich leer der Platz vor dem Museum war. Corona. Da war doch was. Aber so konnten wir ganz ungestört die Atmosphäre der Architektur dort aufsaugen, zeichnen und malen. 

In diesem Jahr habe ich viel mit Aquarell ausprobiert und immer öfter ohne Vorzeichnung einfach direkt von den großen Formen her einzusteigen. Mich inspirieren da viele Künstler wie Lis Watkins (@lineandwash), Shari Blaukopf, Poppy Balser, Jörg Asselborn na und viele mehr… 

Irgendwann musste ich dran denken, dass in der Alten Nationalgalerie (neben vielen anderen) die Gemälde von Adolf Menzel zu sehen sind. Ein absoluter Gigant der Zeichnung! Hier habe ich auch zum ersten Mal die Amalfi-Skizzenbücher von Carl Blechen gesehen, die einfach umwerfend sind. 

UND ALS BONUS – weil es auf Weihnachten zu geht…

WEIHNACHTSPYRAMIDE

Die haben wir vor vielen vielen Jahren geschenkt bekommen und darf im Advent nicht fehlen. Sie ist quasi jeden Tag an. Und wenn es irgendwie geht, gibts nach 16:00, wenns draußen dunkel ist einen Kaffee und Weihnachtsgebäck und eben die Pyramide… So kann man den Dezember genießen.

Das waren die Geschichten hinter den Bildern. wenn du die Karten kaufen willst, vielleicht für dich oder zum Verschenken, dann schau doch mal hier. So lange der Vorrat reicht.

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